Himera - Brennpunkt der antiken Welt


Wusstet ihr, dass es auf Sizilien eine ganze Reihe von Städten gibt, die ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet wurden und dass weite Teile der Insel zum sogenannten Großgriechenland (Magna Graecia) gehörten? Daher auch die vielen griechischen Tempel, Amphitheater und Siedlungen wie in Agrigento und Selinunte. Der Concordiatempel in Agrigento gehört sogar zu den am besten erhaltenen griechischen Tempeln der Welt. Wir wandeln hier wirklich auf den Spuren der uns in Europa prägenden Geschichte und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man auf Sizilien zu graben anfängt, stößt man überall auf Relikte aus längst vergangenen Epochen. “Mein” Santa Flavia zum Beispiel wurde teilweise auf einem phönizischen Gräberfeld gebaut. Dieses gehörte zu Solunto, einer antiken Stadt auf dem Hausberg Monte Catalfano. Heute noch gibt es einen kleinen Teil der Grabstätten am Dorfrand zu sehen.

Die antike Stadt Himera zwischen Santa Flavia und Cefalù… eine Tempelruine und zwei Museen, das klingt zunächst nicht sehr beeindruckend. Auf den ausgestellten Karten aber zeigt sich die Ausdehnung der Siedlung. Ich blicke über die umliegenden Felder und Gärten, hierunter müssen sich noch viele Mauerreste verbergen. Man hat eine Reihe von Ausgrabungen vorgenommen und eine unglaubliche Fülle an Gegenständen gefunden…und auch Gräber…von einem sich umarmenden Paar, Kindern und auch in der Schlacht gefallenen Pferden.  






Wir haben im leider oft stinklangweiligen Geschichtsunterricht viele Zahlen, Namen von Herrschern, Kriegen und aufsteigenden und untergegangenen Kulturen zu hören bekommen. Was hat das Ganze mit uns zu tun, haben sich ganze Generationen von SchülerInnen gefragt.

Was hat das alles mit mir zu tun…
Es fällt der Name Hannibal…moment, das war doch der, der mit den Elefanten über die Alpen in den Krieg gezogen ist. Was hatte der hier zu tun? Ich lerne, es war nicht er, sondern ein Vorfahre gleichen Namens, der hier leider nicht zum Freundschaftsbesuch vorbei schaute, sondern Himera eroberte, wobei von der Stadt nichts mehr übrig blieb. Das ganze geschah 409 v. Chr., die Karthager aus Nordafrika besiegten die Griechen und nahmen so Rache für eine verlorene Schlacht 70 Jahre zuvor. Sizilien lag zwischen den beiden Großmächten Karthago und Griechenland und war Schauplatz dieser Rivalität.

…ich bewundere den antiken Reichtum dieser Insel und muss gleichzeitig an die grauenhaften Kriege denken, aber auch an die Anfänge der Demokratie in Griechenland, an die antiken Philosophen, deren Einsichten bis in meine Gegenwart wirken…alles fließt…    

Ein wenig fassbarer wird das Leben der damaligen Menschen durch die Fundstücke, die in den beiden sehenswerten Museen ausgestellt sind.


Hunde sind schon lange Begleiter des Menschen. Diese Grabbeigabe zeugt von der engen Bindung.


Duftölgefäß im Hundelook



Duftölgefäße als Grabbeigabe, eines in Form eines Fußes bekleidet mit einer griechischen Sandale. Für einen guten Weg ins Jenseits?


Der Löwe stand in der griechischen Bildwelt für Kraft und konnte als Wächter auftreten.


Freundlicher Löwe

Löwe als Wasserspeier am Tempel

So bunt war die Tempeldekoration

Eine Urne mit Löwenkopf


Das Schweinchen von Terravecchia di Cuti in den Madonien
Dieser Fund wird dem Fruchtbarkeitskult und den Göttinnen Demeter und Kore zugeordnet. Ferkel wurden geopfert und im Rahmen heiliger Mahlzeiten verspeist. In den antiken Agrargesellschaften war das Schwein eng mit der Vorstellung von Fruchtbarkeit verbunden, brachte es doch eine große Zahl an Nachkommen hervor.


Widderkopf...


und Widderbein..

Actionkino gab es in Himera schon vor 2.500 Jahren – nur ohne Popcorn
Tempelgiebel schmückten häufig Tierdarstellungen, gerne Tiere im Kampf. Ein Widderkopf und ein Bein mit Huf sind bis heute erhalten geblieben. Sie dürften zu dieser plastischen Bilderwelt gehört haben – doch welche Geschichte die Szene erzählte, bleibt ein Rätsel.
 

Gorgone

Dieses Goldplättchen ist nur 3,3x2,8cm groß und wird durch eine Lupe betrachtet. Es zeigt die Gorgone, eine mythische Gestalt, die jeden versteinern konnte, der sie ansah. Sie wurde von Perseus mit Hilfe der Göttin Athene getötet und ihr Bild ist mit dem Kult dieser Gottheit verbunden.
Die Gorgone ist kniend dargestellt und hält mit den Händen eine Schlange am Ende fest, die sie zwischen den Zähnen umklammert. Ihre geschlossenen Flügel sind mit sorgfältig ziselierten Federn verziert. Voluminöse Locken umrahmen das Gesicht des Monsters mit grinsendem Ausdruck, weit geöffnetem Mund, spitzen Zähnen, heraushängender Zunge, breiter Nase und besonders ausdrucksstarken Augen, die der Figur eine starke „apotropäische“ Bedeutung verleihen (die das Böse abwehren kann).


Eine Gorgone gehörte auch zu den alltäglichen Gegenständen, so wie diese als Dachverzierung zum Schutz des Hauses vor Unheil

Kleine Bronzefigur eines tanzenden Silens

Die Silen sind tiergestaltige Wesen mit Pferdeohren und -schwanz, manchmal auch Hufen. Ebenso wie die Nymphen galten sie als Personifizierung des Lebens in der Natur. Die Silen stehen in Verbindung mit Dionysos und seinem Gefolge. Sie umringten den Weingott, begleiteten ihn, dienten ihm, nahmen an den orgiastischen Ritualen teil. 
Der kauernde Silen
Ein älterer, dickbäuchiger Herr, seine Haltung kann Ruhe, Trunkenheit oder körperliche Erschöpfung ausdrücken. Wer kennt das nicht?


Goldene Opferschale
Dieses Prachtstück wurde bei einer illegalen Grabung in der Nähe Himeras gefunden, erst in die Schweiz und dann in die USA verbracht, wo sie Jahre später von Sizilien zurückgeklagt wurde, was für ein Glück. In dieser Schale wurden Flüssigkeitsopfer dargebracht wie Wasser, Wein, Honig. Die Oberfläche wurde kunstvoll gestaltet. Zu den dargestellten Motiven gehören aussen Bienen und Lotusblüten, dann folgen Bänder von Eicheln und Buchenfrüchten und um den Nabel in der Mitte herum pflanzliche Ornamente.
Stehen die Bienen für eine Verbindung zu Zeus? In der Mythologie wurde Zeus als Kind mit Honig ernährt. Auch die Eicheln könnten auf ihn deuten, denn sein Heiligtum in Dodona war für seine heilige Eiche bekannt. Eicheln sind Symbole für Fruchtbarkeit und Überfluss und das war es schließlich, was man sich wünschte, wenn man nicht einfach im nächsten Imbiss etwas zu essen bestellen kann.

Dieses war nur ein kleiner Auszug aus der Menge an Fundstücken. Himera lohnt sich sehr!


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